Ein Haus ist für die meisten Menschen die größte Investition ihres Lebens. Doch ist es vielfältigen Risiken ausgesetzt, von geplatzten Rohren über Sturm bis hin zu Bränden. Dabei wird von vielen Eigentümern unterschätzt, dass die finanziellen Folgen solcher Schäden schnell in fünf- oder sogar sechsstellige Bereiche gehen. Allein in der Wohngebäudeversicherung bezahlten die deutschen Versicherer 2024 insgesamt 9,45 Milliarden Euro für Gebäudeschäden, die zweithöchste Summe seit Beginn der Erhebung im Jahr 2002.
Wer als Eigentümer gut aufgestellt sein will, braucht nicht nur ein gutes Produkt. Er muss auch wissen, welche Schäden denn nun wirklich geschehen und warum manche Policen im Ernstfall weniger leisten, als gedacht.
Leitungswasser: Der unterschätzte Spitzenreiter
Schäden durch Leitungswasser entstehen meist leise. Ein tropfendes Rohr in der Wand, eine leckende Stelle an einer versteckten Verbindung unter dem Estrich: Die Ursache bleibt unerkannt, der Schaden breitet sich langsam aus.
In den letzten Jahren haben Leitungswasserschäden in der Wohnbebauung am häufigsten zu Schäden geführt. Es werden jährlich über eine Million Fälle gemeldet, mehr als die Hälfte aller Gebäudeschäden. Auf der Kostenseite ist die Lage klarer: 2024 entstanden mit 4,9 Milliarden Euro neuer Rekordbetrag seit Bestehen der Statistik Schäden, die mehr als doppelt so hoch sind wie noch vor zehn Jahren. Ein Hauptgrund liegt zweifellos in der Bausubstanz älterer Häuser. Besonders in den Gebäuden der 60er und 70er Jahre in Westdeutschland ist das Leitungsnetz häufig überaltert und damit die Gefahr von Rohrbrüchen stark erhöht. Hier setzt auch die Versicherung an: durch eine Wohngebäudeversicherung gehören Leitungswasserschäden zum Kernschutz jeder Standardpolice. Nach einem Schadensfall sollte man sofort den Haupthahn zudrehen und den Schaden vor der Reparatur fotografieren. Der Versicherer muss schnell informiert werden.
Feuer und Sturm: Selten, aber teuer

Feuerschäden sind seltener als Wasserschäden, schlagen aber härter zu. Der durchschnittliche Feuerschaden an einem Wohngebäude überstieg zuletzt die 10.000-Euro-Marke. Im Extremfall kann auch ein ganzes Gebäude abbrennen. Häufige Ursachen sind Kaminbrände, defekte Elektroinstallationen und Nachlässigkeiten beim Umgang mit Feuer.
Auffällig aber: Trotz einer seit Jahren zwischen 150.000 und 230.000 schwankenden Zahl von jährlich gemeldeten Feuerschäden ist der Gesamtschadenaufwand in der Branche seit 2011 mehr als verdoppelt. Die Schadenslage bei Sturm und Hagel hängt von Jahr zu Jahr und von den Ereignissen ab. Einzelne Sturmereignisse können binnen weniger Tage Millionenschäden anrichten. Besonders betroffen sind Dächer, Fassadenverkleidungen und Fensterrahmen.
Sturm ab Windstärke 8 ist im Rahmen der Wohngebäudeversicherung aber standardmäßig mitversichert. Wer Schäden an seinen Gebäudeteilen feststellt, sollte Fotos machen, vorübergehende Sicherungsmaßnahmen vornehmen, um Folgeschäden vermeiden und den Versicherer informieren.
Was im Standardschutz fehlt: Elementarschäden
Starkregen, Hochwasser, Rückstau aus der Kanalisation, Erdrutsch: All dies gehört zu den sogenannten Elementargefahren. Sie sind in der klassischen Wohngebäudeversicherung nicht einbezogen. Wer hier keinen Zusatzbaustein abgeschlossen hat, muss diese Schäden voll selbst tragen.
Dies ist ein strukturelles Problem, das in den letzten Jahren für jeden spürbar geworden ist. Die Klimaschäden in Deutschland haben sich seit 1980 verfünffacht. Auch 2024 wurden große Schäden durch Hochwasser und Überschwemmungen verursacht, während starke Herbst- und Winterstürme weitgehend ausblieben. Naturgefahren insgesamt machten 2024 rund ein Viertel des gesamten Schadenaufwands in der Wohngebäudeversicherung aus.
Die Nachfrage nach Elementarschutz wächst, prämienmäßig haben sich aber in manchen Regionen und Risikoklassen die Tarife des Zusatzbausteins verteuert. Eigentümer in Überflutungslagen und nah am Gewässer zahlen wesentliche höhere Beiträge als Eigentümer in risikoärmeren Lagen. Eine frühzeitige Prüfung, ob und zu welchen Konditionen dieser Schutz zu bekommen ist, lohnt sich.
